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Den richtigen Schmierstoff auswählen: die fünf Kriterien

Das falsche Fett ist eine der häufigsten Ursachen für vorzeitigen Lagerausfall. Die Auswahl ist aber kein Ratespiel – sie folgt fünf nachvollziehbaren Kriterien.

Schmierstoff wählen – Die 5 Kriterien für das richtige Fett · LUBIX WissenLUBIX · WISSENSchmierstoff wählenDie 5 Kriterien für das richtige Fett
⚡ Kurz erklärt

Die Fettauswahl folgt fünf Kriterien: Betriebstemperatur, Drehzahl, Last, Umgebung und Bauart der Schmierstelle. Daraus ergeben sich Grundöl und Grundölviskosität, der Verdicker, die NLGI-Konsistenz und – bei hoher Last – passende Additive. Im Zweifel gibt die Freigabe des Maschinen- oder Lagerherstellers den Ausschlag.

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Fett-Auswahlhilfe

Aus den Betriebsbedingungen zum passenden Fett-Typ
Empfohlener Fett-Typ (Richtwert)

Treffen mehrere Anforderungen zu, ein Fett wählen, das alle erfüllt. Herstellerneutraler Fett-Typ, kein Produkt – konkrete Fette siehst du in der LUBIX Database.

Fettverträglichkeit prüfen: Vor einem Wechsel Mischbarkeit von Grundöl, Verdicker und Additiven prüfen – unverträgliche Fette können weich werden und die Schmierwirkung verlieren. Im Zweifel Altfett entfernen und den Hersteller fragen. Die Fettverträglichkeit und die Herstellerfreigabe sind maßgeblich.
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Die fünf Auswahlkriterien

Erst die Betriebsbedingungen, dann das Fett

Bevor ein Produktname fällt, müssen die Betriebsbedingungen auf dem Tisch liegen. Fünf Größen entscheiden:

  • Temperatur – Dauer- und Spitzentemperatur an der Schmierstelle, ebenso die tiefste Anlauftemperatur. Alle Angaben in °C.
  • Drehzahl – meist über den Drehzahlkennwert n · dm ausgedrückt (Drehzahl mal mittlerer Lagerdurchmesser). Hohe Drehzahlen verlangen ein anderes Fett als langsam laufende Schwerlastlager.
  • Last – gleichmäßige Belastung oder Stöße, hohe oder niedrige Flächenpressung.
  • Umgebung – Wasser, Staub, Chemikalien, Lebensmittelkontakt, Außeneinsatz.
  • Schmierstelle – Wälzlager, Gleitlager, offenes Getriebe, Kette oder Linearführung; offen oder abgedichtet.
Illustration: Den richtigen Schmierstoff nach fünf Kriterien wählenDen richtigen Schmierstoff wählenFünf Kriterien für das passende Fett1TemperaturBetriebs- und Umgebungstemperatur2Drehzahl & BelastungSchnell/langsam, hohe/niedrige Last3UmgebungWasser, Staub, Chemie4NLGI-KonsistenzFestigkeit passend zur Anwendung5Freigaben & VerträglichkeitHerstellerfreigabe, Mischbarkeit prüfenRichtwert · lubix.de
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Grundöl und Viskosität

Das eigentlich schmierende Element

Geschmiert wird vom Grundöl, nicht vom Verdicker. Deshalb sind Grundöltyp und vor allem die Grundölviskosität (üblicherweise bei 40 °C angegeben) die wichtigste Stellgröße.

Als Faustregel gilt: Hohe Drehzahlen brauchen eine eher niedrige Viskosität, damit der Schmierfilm nicht zu viel Reibung erzeugt. Niedrige Drehzahlen mit hoher Last brauchen eine höhere Viskosität, damit der Schmierfilm trägt. Den genauen Wert gibt die Lagerberechnung bzw. das Herstellerdatenblatt vor.

Beim Grundöltyp unterscheidet man grob Mineralöl (wirtschaftlich, breiter Standardeinsatz) und synthetische Öle. Synthetische Grundöle decken weitere Temperaturbereiche ab oder sind chemisch besonders beständig – das hängt vom konkreten Öltyp ab und ist im Datenblatt nachzulesen.

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Der Verdicker

Hält das Öl wie ein Schwamm

Der Verdicker hält das Grundöl in der Schmierstelle fest und gibt es nach und nach ab. Er bestimmt unter anderem Wasserbeständigkeit, oberen Temperatureinsatz und die Mischbarkeit mit anderen Fetten. Gängige Verdicker und ihre groben Stärken:

  • Lithium / Lithium-Komplex – der verbreitete Allrounder für Wälzlager.
  • Calcium / Calciumsulfonat – ausgeprägt wasserbeständig, robust in nasser Umgebung.
  • Polyharnstoff (Polyurea) – langlebig und für höhere Temperaturen, häufig in dauergeschmierten Elektromotorlagern.
  • Aluminium-Komplex – wasserbeständig, oft in der Lebensmittelproduktion (mit NSF-H1-Freigabe).
  • Bentonit (anorganisch) – schmilzt nicht und wird für hohe Temperaturen verwendet.

Die konkreten Temperaturgrenzen und Eigenschaften unterscheiden sich je nach Produkt – maßgeblich ist das Datenblatt, nicht der Verdickername allein.

Konsistenz und Additive

NLGI und Zusätze nach Bedarf

Die NLGI-Konsistenz richtet sich nach Bauart und Förderung: NLGI 2 als Standard im Wälzlager, weicher in Zentralschmieranlagen. Additive kommen nach Bedarf dazu:

  • EP-Zusätze (Extreme Pressure) für hohe Lasten und Stöße.
  • AW-Zusätze (Anti-Wear) gegen Verschleiß im Mischreibungsbereich.
  • Festschmierstoffe wie MoS₂ oder Graphit für sehr hohe Lasten, Anlaufvorgänge und langsame Bewegungen.
  • NSF H1 für Schmierstellen mit möglichem Lebensmittelkontakt.
  • Biologisch abbaubare Fette für umweltsensible Bereiche wie Gewässernähe.

So gehst du vor

Schritt für Schritt zur Auswahl
  • Betriebsbedingungen erfassen: Temperatur, Drehzahl (n·dm), Last, Umgebung, Bauart.
  • Freigaben und Datenblatt des Maschinen- bzw. Lagerherstellers prüfen – sie haben Vorrang.
  • Grundöltyp und Viskosität festlegen.
  • Verdicker nach Umgebung wählen (Wasser, Temperatur, Lebensmittel).
  • NLGI-Konsistenz nach Bauart und Fördersystem bestimmen.
  • Additive nach Last ergänzen.
  • Vor der Umstellung die Verträglichkeit mit dem Altfett prüfen.
Verträglichkeit vor dem Wechsel prüfen. Ein neues Fett ist nur dann eine Verbesserung, wenn es mit dem vorhandenen verträglich ist oder die Schmierstelle vorher gereinigt wurde. Kennwerte findest du in der LUBIX Database; Schmierstellen und Fette dokumentierst du im Schmierstellen-Manager.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet
Das hängt von Temperatur, Drehzahl, Last, Umgebung und Bauart ab. Aus diesen Größen ergeben sich Grundöl, Viskosität, Verdicker und NLGI-Klasse. Die Freigabe des Maschinenherstellers gibt im Zweifel den Ausschlag.
Geschmiert wird vom Grundöl, daher sind Grundöltyp und Viskosität die zentrale Stellgröße. Der Verdicker bestimmt vor allem Wasserbeständigkeit, Temperatureinsatz und Mischbarkeit.
Bei hohen Lasten und Stoßbelastung. EP-Additive verbessern die Tragfähigkeit des Schmierfilms; bei sehr hohen Lasten kommen zusätzlich Festschmierstoffe wie MoS₂ infrage.
Ein gutes Mehrzweckfett deckt viele Standardfälle ab, aber nicht alle. Hohe Temperaturen, Lebensmittelkontakt, sehr hohe Drehzahlen oder aggressive Umgebungen verlangen oft ein Spezialfett.