Die wichtigsten Schmierfett-Kennzahlen verständlich erklärt
Ein Fett-Datenblatt ist voller Zahlen – aber nur wenige entscheiden wirklich, ob das Fett an die Schmierstelle passt. Diese Kennwerte sollte man lesen können.
⚡ Kurz erklärt
Die zentralen Kennzahlen eines Schmierfetts sind die NLGI-Konsistenzklasse, die Grundölviskosität, der Tropfpunkt, der Temperatureinsatzbereich und die Lasttragfähigkeit (EP/AW). Sie bestimmen gemeinsam, ob ein Fett zur Temperatur, Drehzahl und Last einer Schmierstelle passt.
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NLGI-Konsistenzklasse
Wie fest das Fett ist
Die NLGI-Klasse gibt die Konsistenz an – von 000 (fast flüssig) bis 6 (sehr fest). NLGI 2 ist der Standard für Wälzlager. Sie sagt nichts über die Schmierfähigkeit oder den Temperaturbereich aus, sondern nur über die Festigkeit.
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Grundölviskosität
Bestimmt den Schmierfilm
Die Grundölviskosität – meist bei 40 °C in mm²/s (cSt) angegeben – ist die wichtigste Kennzahl für die Tragfähigkeit des Schmierfilms. Niedrige Viskosität passt zu hohen Drehzahlen, hohe Viskosität zu langsamen, hoch belasteten Lagern. Sie ist getrennt von der NLGI-Klasse zu sehen: Ein weiches Fett kann ein zähes Grundöl enthalten und umgekehrt.
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Tropfpunkt
Wo das Fett flüssig wird
Der Tropfpunkt ist die Temperatur, bei der das Fett vom halbfesten in den flüssigen Zustand übergeht. Er ist nicht die maximale Einsatztemperatur: Die obere Dauergebrauchstemperatur liegt deutlich darunter. Der Tropfpunkt gibt eher eine Obergrenze an, die im Betrieb mit Sicherheitsabstand nicht erreicht werden sollte. Maßgeblich für den Einsatz ist der angegebene Temperatureinsatzbereich.
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Temperatureinsatzbereich
Untere und obere Grenze
Das Datenblatt nennt einen unteren und oberen Einsatztemperaturwert in °C. Die untere Grenze hängt davon ab, bis zu welcher Temperatur das Fett noch ausreichend fließt und das Lager beim Kaltstart versorgt; die obere davon, bis wann es stabil bleibt und nicht zu schnell altert. Für schwankende oder extreme Temperaturen gibt es Spezialfette.
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Lasttragfähigkeit: EP und AW
Für hohe Lasten und Stöße
EP-Eigenschaften (Extreme Pressure) beschreiben die Tragfähigkeit unter hoher Last und Stoßbelastung, AW (Anti-Wear) den Verschleißschutz im Mischreibungsbereich. Geprüft wird die Belastbarkeit unter anderem im Vier-Kugel-Apparat. Für sehr hohe Lasten enthalten manche Fette zusätzlich Festschmierstoffe wie MoS₂ oder Graphit.
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Weitere nützliche Kennwerte
Was sonst noch im Datenblatt steht
Drehzahlkennwert (n·dm): grenzt ein, bis zu welcher Drehzahl ein Fett geeignet ist.
Wasserbeständigkeit / Auswaschverhalten: wichtig in nasser Umgebung.
Korrosionsschutz: Schutz der Metalloberflächen, auch bei Wasserkontakt.
Walkstabilität: wie stabil die Konsistenz unter Dauerbeanspruchung bleibt.
Ölabscheidung: wie viel Grundöl das Fett über die Zeit abgibt.
Viele dieser Kennwerte sind zu gängigen Fetten in der LUBIX Database hinterlegt.
Kennzahlen sind kein Mischfreibrief. Auch wenn zwei Fette ähnliche Kennwerte haben, müssen sie nicht verträglich sein. Vor einer Umstellung die Verträglichkeit prüfen.
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Häufige Fragen
Kurz beantwortet
Die Temperatur, bei der das Fett flüssig wird. Er ist nicht die maximale Einsatztemperatur – die obere Dauergebrauchstemperatur liegt mit Sicherheitsabstand darunter.
Sie beschreibt die Zähigkeit des Grundöls, meist bei 40 °C in mm²/s. Sie bestimmt die Tragfähigkeit des Schmierfilms: niedrig für hohe Drehzahlen, hoch für langsame, schwer belastete Lager.
Ein Fett mit EP-Additiven (Extreme Pressure), die die Tragfähigkeit unter hoher Last und Stoßbelastung verbessern. Bei sehr hohen Lasten kommen zusätzlich Festschmierstoffe wie MoS₂ zum Einsatz.
Es ist immer das Zusammenspiel. Praktisch am wichtigsten sind NLGI-Klasse, Grundölviskosität und Temperatureinsatzbereich – sie entscheiden, ob das Fett zu Drehzahl, Last und Temperatur passt.