Grundlagen6 Min. Lesezeit

H1, H2 oder 3H? Lebensmittelechte Schmierung einfach erklärt

In Lebensmittel-, Getränke- und Pharmabetrieben müssen Schmierstoffe besondere Anforderungen erfüllen. Die Kürzel H1, H2, 3H und ISO 21469 klingen kompliziert – sind aber schnell verstanden.

NSF H1 – Lebensmittelechte Schmierung erklärt · LUBIX WissenLUBIX · WISSENNSF H1Lebensmittelechte Schmierung erklärt
⚡ Kurz erklärt

H1-Schmierstoffe sind für Bereiche zugelassen, in denen es zu zufälligem, technisch unvermeidbarem Kontakt mit dem Lebensmittel kommen kann – allerdings nur in Spuren, nicht als bewusster Kontakt. H2 ist für Stellen ohne mögliche Berührung, 3H sind Trennmittel mit direktem Kontakt (z. B. auf Blechen oder Haken). ISO 21469 ist eine strengere, auditierte Zertifizierung, die auch die Herstellung prüft. Wichtig: maßgeblich ist immer die NSF-Registrierung bzw. Freigabe des konkreten Produkts durch den Hersteller.

🍽️

Die NSF-Kategorien im Überblick

Wo darf welcher Schmierstoff hin?
KategorieEinsatzbereichKontakt
H1wo Kontakt technisch nicht ausgeschlossen istzufällig, nur unvermeidbare Spuren
H2an Stellen ohne Kontaktmöglichkeitkeiner
3HTrennmittel, direkt auf Fläche oder Produktdirekter Kontakt vorgesehen
H3lösliche/essbare Öle, z. B. Korrosionsschutz an Haken und Wagendirekt

Die Kategorien ordnen den Einsatzbereich ein. Ob ein Produkt tatsächlich registriert ist, steht in der NSF-Registrierung bzw. der Herstellerfreigabe – die ist maßgeblich.

Illustration: NSF-Kategorien H1, H2, 3H und H3 im ÜberblickDie wichtigsten KategorienSchnell unterschiedenH1Kontakt möglich, nur inunbedenklichen SpurenH2kein Kontakt möglich –reine Maschinenstellen3HTrennmittel mitdirektem KontaktH3lösliche/essbare Öle,z. B. an Haken/WagenRichtwert · lubix.de

Was H1 wirklich bedeutet (und was nicht)

Kein Lebensmittel, sondern Schmiermittel

H1 heißt nicht, dass der Schmierstoff ein Lebensmittel ist oder beliebig hineingehört. Es bedeutet: Falls bauartbedingt einmal eine winzige Spur ins Produkt gelangt, ist das gesundheitlich unbedenklich. Der Schmierstoff bleibt ein technisches Schmiermittel – er soll das Lager schmieren, nicht das Produkt berühren. „Lebensmittelecht" ist die umgangssprachliche Kurzform für NSF-H1-registriert.

📜

ISO 21469 und HACCP – wie das zusammenhängt

Registrierung, Zertifizierung, System

Die NSF-Registrierung prüft die Rezeptur: Sind alle Inhaltsstoffe für H1 zugelassen? ISO 21469 geht weiter – eine auditierte Zertifizierung, die auch Herstellung, Abfüllung und Hygiene des Schmierstoffs betrachtet. HACCP dagegen ist kein Schmierstoff-Siegel, sondern das Lebensmittelsicherheits-System des Betriebs. H1-Schmierstoffe helfen, dessen Anforderungen am kritischen Punkt „Schmierung" zu erfüllen.

🏭

Worauf Sie im Betrieb achten sollten

Praxis in Lebensmittel & Pharma
  • Nur registrierte bzw. freigegebene Produkte einsetzen und die Registrierung dokumentieren.
  • H1 nicht mit Standardfett mischen – beim Wechsel die Verträglichkeit prüfen und Altfett möglichst entfernen.
  • Automatische Geber lassen sich auf Wunsch mit Ihrem freigegebenen H1-Fett befüllen (Eigenfett) – so bleibt die Freigabe erhalten.
  • In Lebensmittel-, Getränke- und Pharmabetrieben auf hygienegerechte, gut reinigbare Montage achten.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet
H1 kennzeichnet Schmierstoffe für Bereiche, in denen zufälliger, technisch unvermeidbarer Kontakt mit dem Lebensmittel möglich ist – in unbedenklichen Spuren, nicht als bewusster Kontakt.
H1: Kontakt möglich, nur Spuren. H2: kein Kontakt möglich. 3H: Trennmittel mit direktem Kontakt. Zusätzlich gibt es H3 für lösliche bzw. essbare Öle.
Umgangssprachlich ja. Korrekt ist „NSF-H1-registriert". Maßgeblich ist die Registrierung bzw. Freigabe des konkreten Produkts.
Eine strengere, auditierte Zertifizierung, die über die Rezeptur hinaus auch Herstellung und Hygiene des Schmierstoffs prüft.
Dort, wo Kontakt möglich ist, H1; an Stellen ohne Kontaktmöglichkeit genügt oft H2. Die Einstufung richtet sich nach dem konkreten Bereich.
Nur nach Verträglichkeitsprüfung. Beim Wechsel das Altfett möglichst entfernen; im Zweifel den Hersteller fragen.